Heizspiegel für Kiel
KOMMUNALE HEIZSPIEGEL FÜR SIEBEN KOMMUNEN
Ein Pilotprojekt des Deutschen Mieterbundes für sieben ausgewählte Kommunen, gefördert durch das Bundesumweltamt und das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit.
Die Problemstellung
Die Mieterhaushalte in Deutschland verbrauchen jedes Jahr ca. 265 TeraWh Energie (entsprechend 265 Millionen MWh) für die Beheizung ihrer Wohnungen. Dabei werden etwa 60 Millionen t CO2 freigesetzt. Eine Reduzierung ist angesichts der klimatischen Veränderungen notwendig und auch möglich.
Die Höhe der monatlichen Heizkostenbelastung von Wohngebäuden schwankt zwischen 0,80 und 2,20 DM pro m² und Monat. Unterschiede in dieser Höhe sind bei Gebäuden mit mehr als drei bis vier Wohneinheiten insbesondere auf Unterschiede im bautechnischen Standard der Gebäude und der Heizanlagen zurückzuführen. Niedrigere Verbräuche werden in Zukunft nicht mehr über Appelle an die Nutzer zu energiesparendem Verhalten erreichbar sein - allein die Bautechnik bietet hinreichende Potentiale.
Die Ursachen
Zu alte und zu große Heizanlagen
Die Ursachen für hohe Verbräuche und Kosten sind in vielen Fällen veraltete und überdimensionierte Heizanlagen. In München beispielsweise beträgt das Durchschnittsalter von Heizanlagen 18 Jahre vom VDI wird eine Erneuerung nach neun Jahren empfohlen. Viele Anlagen sind zudem extrem überdimensioniert. Beide Faktoren zusammen führen dazu, daß statt der heute technisch möglichen 90% der Ausnutzung von Primärenergie im Durchschnitt nur etwa zwei Drittel des eingesetzten Brennstoffs in Nutzwärme umgewandelt wird. Eine Modernisierung aller Heizanlagen würde den Verbrauch von Erdgas und Heizöl für Heizzwecke um etwa ein Viertel senken. Hiermit wäre vor allem bei den Hochverbrauchern eine Reduzierung der Heizkosten von bis zu 50 Pfg. je m² und Monat bzw. DM 6,- je m² und Jahr verbunden. Dem stehen durchschnittliche Kosten von etwa 20,- DM je m² Wohnfläche gegenüber, die durch eine Erneuerung der Heizanlage entstehen. Dies bedeutet, daß sich bei der Mehrzahl der Hochverbraucher unter den Wohngebäuden die Erneuerung einer Heizanlage innerhalb weniger Jahre durch die Senkung der Verbrauchskosten bezahlt macht.
Mangelhafter Wärmeschutz
Ein erheblicher Anteil der Heizenergie geht aufgrund des mangelhaften Wärmeschutzes durch Wände, Dächer, Kellerdecken, Fenster und Türen verloren, bevor er zu einer ausreichenden Erwärmung des Gebäudeinneren beitragen kann.
In der Summe führt dies dazu, daß auch heute noch eine Vielzahl von Wohngebäuden mehr als das Dreifache dessen an Heizenergie verbraucht, was nach den Maßstäben der "neuen" Wärmeschutzverordnung von 1995 bei Neubauten gefordert ist.
Wirtschaftlich am effektivsten sind Wärmeschutzmaßnahmen, wenn sie mit anstehenden Instandhaltungsarbeiten, wie z. B. mit einer fälligen Erneuerung des Fassadenanstrichs, gekoppelt werden. Am kostengünstigsten ist in der Regel die nachträgliche Dämmung von Kellerdecke und Dach (außer bei Flachdächern). Aufwendiger und oft nicht möglich ist die Aufbringung einer kompletten "Thermohaut" auf die Außenwände des Gebäudes.
Warum nicht investiert wird
Obwohl sich Sanierungsmaßnahmen in Wärmeschutz und Wärmeerzeugung in vielen Fällen schon innerhalb weniger Jahre bezahlt machen und zusätzlich öffentliche Fördermittel für Sanierungsmaßnahmen im Gebäudebestand in ausreichendem Maß zur Verfügung stehen, geschieht zu wenig, um Heizenergieverbrauch und Heizkosten im Rahmen des heute technisch und wirtschaftlich Möglichen zu senken.
Hierfür gibt es vier Ursachen:
Zunächst besteht Unkenntnis darüber, ob das bewohnte oder im Besitz befindliche Gebäude im Durchschnittsvergleich zuviel verbraucht. Hierüber wird der Kommunale Heizspiegel Auskunft geben.
Oftmals sind die technischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten unbekannt, die mit Verbesserungen im Wärmeschutz und in der Wärmeerzeugung verbunden sind. Eigentümer von Gebäuden mit auffällig hohem Heizenergieverbrauch, die Sanierungsmaßnahmen unterlassen, die sich in weniger als 5 bis 10 Jahren aus Verbrauchskosteneinsparungen bezahlt machen würden, ignorieren Investitionschancen mit Renditen, die weit über den Konditionen liegen, die ihnen ihre Bank bei einer ähnlich langfristigen Anlage ihres Kapitals bietet.
Bei Gebäudeeigentümern besteht die Unsicherheit, ob vorhandene technische Potentiale auch wirtschaftlich sind, d. h. ob der Investor lediglich für die Sanierungskosten aufkommt oder aber, ob auch er von der Sanierung profitiert. Viele Eigentümer wissen nicht, daß sie einen Teil der Kosten gem. § 3 MHG auf die Mieter umlegen können. Bereits beim nächsten Mieterwechsel zeigt sich, daß die Immobilie durch die Sanierung auf dem Markt durch geringere Energiekosten einen Wettbewerbsvorteil hat. Denn immer häufiger fragen Mieter auch nach den Nebenkosten und nicht nur nach der Kaltmiete.
Häufig sind es jedoch auch die Mieter, die sich aufgrund vielfach negativer Erfahrungen gegen eine Modernisierung wehren, da sie befürchten, durch die Umlage der Modernisierungskosten auf die Kaltmiete übervorteilt zu werden.
Offenbar gibt es Unkenntnis und zahlreiche Mißverständnisse, die verhindern, daß Investitionen getätigt werden, die für alle Beteiligten nützlich und sinnvoll sind: Für die Bewohner, weil ihre Mietnebenkosten sinken und für die Gebäudeeigentümer, weil sie die Wirtschaftlichkeit ihrer Immobilie steigern. Weitere Nutznießer sind die Umwelt, weil unnötige CO2-Emissionen gemindert werden, sowie der Arbeitsmarkt. Ein wichtiges Hilfsmittel, um geeignete und lohnende Modernisierungsfälle zu identifizieren sind Kommunale Heizspiegel, die Transparenz bei Heizkosten und Energieverbräuchen von Wohngebäuden schaffen.
Kommunale Heizspiegel berücksichtigen darüber hinausgehend regionale Klimaunterschiede und Unterschiede in den örtlichen Tarifen und Preisen der Energieversorger.
Kommunale Heizspiegel
Kommunale Heizspiegel bauen auf Heizkostenabrechnungen zentralbeheizter Mehrfamiliengebäude auf. Sie differenzieren nach den folgenden Kriterien:
Für den Anwender werden die Ergebnisse des Heizspiegels in Tabellenform aufbereitet. Je nach Energieträger und Art der Warmwasserbereitung werden sechs verschiede Tabellen veröffentlicht (z. B. Erdgas mit zentraler Warmwasserbereitung). In jeder Tabelle sind die Durchschnittswerte und Obergrenzen in den Heizkosten bzw. im spezifischen Heizenergieverbrauch in Abhängigkeit von der beheizten Nutzfläche angegeben. So können Bewohner und Eigentümer anhand des Heizspiegels und ihrer Heizkostenabrechnung den Energieverbrauch und die Heizkosten ihres Gebäudes bewerten. Der Kommunale Heizspiegel differenziert im übrigen nicht nach dem Gebäudetyp, da er kein Handbuch für Architekten und Ingenieure, sondern ein zuverlässiges Mittel der Grobanalyse und somit eine Entscheidungshilfe beim Einstieg in die Sanierung darstellt.
Wichtigstes Merkmal der von der Münchner ArbeitsGruppe Energie entwickelten Heizspiegel ist die "10%-Grenze", mit der sie die Gruppe der Hochverbraucher und der Gebäude mit eindeutig überhöhten Heizkosten von den übrigen Gebäuden des Altbaubestands trennen. Diese "Höhenlinie" markiert die Gruppe jener Gebäude, bei denen eine Sanierung von Wärmeschutz und Wärmeerzeugung die sogenannten "Win-Win-Kriterien" erfüllt: Bei Gebäuden, die oberhalb der 10%-Grenze liegen, amortisiert sich die Investition innerhalb weniger Jahre. Für den Mieter ist hier die Senkung der umlegbaren Heizkosten in jedem Fall größer als die Modernisierungsumlage.
Erste Erfahrungen mit den Heizspiegeln
Anläßlich einer Erhebung für den Münchner Heizspiegel hat die ArbeitsGruppe Energie insgesamt 300 Hochverbraucher unter etwa 3.000 öl- und erdgasbeheizten Wohngebäuden identifiziert. Für diese Hochverbraucher wurde auf der Grundlage realer Sanierungsfälle eine Erneuerung der Heizanlagen rechnerisch simuliert. Hierbei stellte sich heraus,
Offenbar bedeutet dies, daß selbst dann, wenn bei den 300 Hochverbrauchern der gesamte Kapitaldienst für die Erneuerung der Anlage auf die Mieter umgelegt worden wäre, noch ausreichend "Masse" vorhanden ist, von der Eigentümer und Mieter profitieren können.
Bislang wurden für drei verschiedene Kommunen (München, Düsseldorf und Regensburg) Heizspiegel erstellt. In allen drei Kommunen lag der durchschnittliche Verbrauch deutlich über dem nach heutigem Stand der Technik möglichen Verbrauch: Bei gasbeheizten Gebäuden mit zentraler Warmwasserbereitung sind beispielsweise Verbräuche von durchschnittlich 220 bis 260 kWh je Quadratmeter und Jahr und eine 10%ige Obergrenze im Verbrauch von etwa 300 kWh je Quadratmeter und Jahr zu verzeichnen. Etwa ein Drittel des Heizenergieverbrauchs könnte durch die Sanierung auf ein moderates Niveau von 150 kWh / m² eingespart werden.
Hier liegen auch die effektivsten CO2-Minderungspotentiale: Die Kosten für die Vermeidung einer Tonne Kohlendioxid liegen zwischen 1.000 DM (bei Sanierung der Heizanlage) und 3.000 DM (bei Sanierung des Wärmeschutzes). Die Identifizierung der 10% Hochverbraucher ist demnach volkswirtschaftlich und ökologisch sinnvoll, denn hier kann am meisten bewegt werden.
Neutrale Information ist unabdingbar
Vielfach sind die Hemmnisse für Sanierungen nicht technischer sondern sozialer und wirtschaftlicher Natur. Es fehlt weniger an neuen technischen Lösungen, sondern am Problembewußtsein. Notwendig ist eine neutrale Information über Heizenergieverbräuche und Heizkosten, die von allen gesellschaftlichen Gruppen, d.h. von der Wohnungswirtschaft (Wohnungsgesellschaften und Hausverwaltungen), den Mietervereinigungen, den Haus- und Grundbesitzervereinen und den Umweltbehörden mitgetragen wird. Dies ist beim Projekt "Kommunale Heizspiegel" gegeben: Ein Projektbeirat mit Vertretern des Gesamtverbandes der Wohnungswirtschaft, des Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, des Umweltbundesamtes und des Deutschen Instituts für Urbanistik wird das Projekt über seine gesamte Laufzeit hinweg begleiten, mit dem positiven Nebeneffekt, daß Ergebnisse und Erfahrungen aus dem Heizspiegel zu den Beteiligten zurückfließen und dort umgesetzt werden können. Ziel ist es, ähnlich wie beim Verkehrssektor, ein Bewußtsein für den Verbrauch von Heizenergie zu entwickeln und wirtschaftliche Transparenz bei der Entscheidung über eine Sanierung zu schaffen.