Kiel, 30.04.1998
500 Millionen Mark Einsparung bei Heizenergie möglich
Kommunale Heizspiegel für Mehr-Familienhäuser:
Ein Pilotprojekt von DMB und Bundesregierung
Landeshauptstadt Kiel ist mit dabei
(dmb) Mit einem ganz neuen Instrument wollen der Deutsche Mieterbund (DMB) und der Kieler Mieterverein dazu beitragen, daß in Mehr-Familienhäusern Kosten für Heizenergie um bis zu 500 Millionen Mark gesenkt werden. Gleichzeitig könnte der CO2-Ausstoß um rund 20 Prozent gemindert werden. Mittel hierzu sind "Kommunale Heizspiegel", die der Deutsche Mieterbund in Zusammenarbeit mit der Bundesregierung als Pilotprojekt in sieben ausgewählten Kommunen - darunter auch Kiel - beispielhaft erstellen wird.
Mit Hilfe des von der Münchener ArbeitsGruppe Energie (AGE) entwickelten Kommunalen Heizspiegels können Energiekosten und Energieverbräuche von Wohngebäuden innerhalb einer Gemeinde ermittelt und bewertet werden.
Im Kommunalen Heizspiegel werden flächenbezogene Durchschnittswerte und Obergrenzen des Heizenergieverbrauchs und der Heizkosten von Wohngebäuden wiedergegeben. Der Kommunale Heizspiegel macht Abweichungen bei Gebäudeabrechnungen von diesen Durchschnittswerten für Eigentümer und Mieter transparent. Handlungsbedarf ist bei den oberen 10 Prozent der Verbraucher gegeben. Bei diesen "Hochverbrauchern" lohnen sich Investitionen mit Gewinnen für alle Beteiligten:
Die Initiatoren des Pilotprojektes erwarten einen vierfachen Nutzen:
Gewinner Umwelt: Die deutliche Reduzierung des klimaschädigenden Treibhausgases CO2 im Wohnungsbestand kann einen wirksamen Beitrag für den Umwelt- und Klimaschutz in Deutschland leisten.
Gewinner Vermieter: Sinnvolle Modernisierungsmaßnahmen werden durch höhere Mieten finanziert, Kosten für Instandsetzung und Instandhaltung verringern sich, gleichzeitig können Vermietbarkeit und Ertragswert der Immobilie gesteigert werden.
Gewinner Mieter: Die eingesparten Heizkosten sind größer als die durch Modernisierung erhöhte Miete.
Gewinner Arbeitsmarkt: Investitionen im Heizungsmarkt stärken das örtliche Handwerk und Gewerbe, Baukonjunktur und Arbeitsmarkt erfahren positive Impulse.
Dazu ein Beispiel:
Wird in einem 500 Quadratmeter großen Gebäude eine Heizanlage mit einem Investitionsaufwand von 15.000 Mark erneuert, könne der Energieverbrauch von 15.000 Liter auf 10.000 Liter Heizöl sinken, es würde eine Kostenersparnis von 2.500 Mark eintreten.
Die Modernisierung der Heizungsanlage bezahlen die Mieter über die Modernisierungsumlage mit 1.650 Mark im Jahr, im Gegenzug sparen sie 2.500 Mark Heizkosten ein. Die Einsparung von 5.000 Liter Heizöl vermindert den CO2-Ausstoß jährlich um 14 Tonnen.
Um das Instrument des Kommunalen Heizspiegels für eine breite Öffentlichkeit nutzbar zu machen, wird der Deutsche Mieterbund zusammen mit der Münchener ArbeitsGruppe Energie im Laufe des Jahres 1998 für sieben ausgewählte Kommunen beispielhafte Heizspiegel erstellen und im Anschluß daran die Erfahrungen mit diesem neuen Instrument der Umwelt- und Wohnungspolitik auswerten. Das Pilotprojekt des Deutschen Mieterbundes wird aus Mitteln des Umweltbundesamtes und des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit mit einem Betrag von 225.400 Mark gefördert und fachlich begleitet.
Dazu Franz-Georg Rips, Direktor des Deutschen Mieterbundes: "Wenn sich die Erwartungen erfüllen, ist an eine bundesweite Einführung von Kommunalen Heizspiegeln zu denken. Wir könnten damit im Interesse der Umwelt und im Interesse aller am Wohnungsmarkt Beteiligten mehr Transparenz und Orientierung schaffen."
Weitergehende Informationen finden Sie hier.
Verantwortlich: Jochen Kiersch, Kiel