Erstellung von Kommunalen Heizspiegeln in
sieben deutschen Städten
- Projektbeschreibung -
Veranlassung
Die klimapolitische Diskussion der letzten Jahre hat in bezug auf die raumheizungsbedingten CO2-Emissionen zwei Erkenntnisse hervorgebracht:
Im Gebäudebestand sind massive Verbrauchs- und Kosteneinsparpotentiale vorhanden, deren Ausschöpfung in diesem Bereich die Klimaziele der Bundesregierung deutlich übertreffen würde.
Die bisherigen Anstrengungen im Gebäudebestand reichen nicht aus, um die Klimaziele bis 2005 zu realisieren, da vorhandene Sanierungspotentiale nicht ausgeschöpft werden.
Hieraus leiten sich zwei
klimaschutzpolitische Maximen her, will man trotz der geringen
Fortschritte, die bisher auf diesem Gebiet erzielt wurden, die
Klimaziele im Wohngebäudebestand erreichen oder ihnen nahe
kommen:
Es gilt, geeignete Prozeduren zu entwickeln, um die im Altbaubestand vorhandenen Einsparpotentiale bei Heizkosten und Heizenergieverbrauch zu identifizieren.
Es müssen Wege gefunden werden, wie die verantwortlichen Akteure dazu gebracht werden können, diese Potentiale auszuschöpfen.
Kommunale Heizspiegel sind ein Mittel, die helfen, die im Altbaubestand vorhandenen Sanierungspotentiale zu identifizieren und Bewohner und Eigentümer für Maßnahmen zur Minderung des Heizenergieverbrauchs zu motivieren. Sie bilden eine empirische Basis für
die Bewertung von Heizenergieverbräuchen, Heizkosten und raumwärmebedingten CO2-Emissionen von Mehrfamiliengebäuden und für
die Erprobung zukünftiger umweltpolitischer und bauordnungsrechtlicher Maßnahmen, deren Ziel es ist, die verantwortlichen Akteure zu einer Ausschöpfung der vorhandenen Einsparpotentiale zu bewegen.
Kommunale Heizspiegel schaffen Transparenz bei den Kosten und dem Verbrauch von Heizenergie und machen zusammen mit den örtlichen Mietspiegel einen Vergleich der Warmmieten von Gebäuden innerhalb einer Kommune möglich.
Auf diese Weise werden Belange des Klimaschutzes mit denen des Mieterschutzes verbunden:
Durch den Heizspiegel werden die Hochverbraucher unter den Gebäuden identifiziert. Diese Gebäude weisen die größten Sanierungspotentiale auf, so daß sich hier Investitionen in kurzer Zeit aus Verbrauchskostenminderungen bezahlt machen. Gelingt es, diese Einsparpotentiale zu mobilisieren, bedeutet dies für den Klimaschutz eine deutliche und äußerst effiziente CO2-Emissionsminderung.
Bewohner von hochverbrauchenden Gebäuden sind mit extrem hohen Heizkostenbelastungen konfrontiert. Diese unnötigen Zusatzkosten entfallen nach einer Sanierung, so daß hier Mieter und Eigentümer in gleicher Weise Nutznießer von Sanierungsmaßnahmen sind.
Aus den genannten Gründen ist es sinnvoll, rasch Erfahrungen im Umgang mit dem Instrument kommunaler Heizspiegel zu gewinnen, damit in kurzer Zeit möglichst viele Kommunen in der Lage sein werden, ein solches Instrument der lokalen Umweltberatung zu nutzen.
Vorgehensweise
Am Projekt "Kommunale Heizspiegel" nehmen mindestens sieben Kommunen teil, die im einzelnen beim ersten Treffen des Projektbeirates benannt werden.
Vertreter der entsprechenden Mietervereine und Kommunen treffen sich zu einem ersten Fachgespräch, in dessen Rahmen sie über Zielsetzung, Inhalt und Ablauf des Beratungsprojektes informiert werden.
Zunächst werden in den einzelnen Kommunen alle beteiligten Interessengruppen, wie Mietervereine, Haus- und Grundbesitzervereine, Umweltämter, Stadtwerke, örtliche Medien, Verbraucherzentralen und das Handwerk auf das Projekt aufmerksam gemacht und nach Möglichkeit eingebunden (z. B. durch gemeinsames Auftreten im Rahmen von öffentlichen Veranstaltungen und von Pressabeiträgen). Dies geschieht schon im Vorfeld, vor der Veröffentlichung des Heizspiegels.
Der Heizspiegel wird in Form einer Informationsbroschüre und eines Faltblattes in der jeweiligen Kommune dem Publikum bekannt gemacht. Die Veröffentlichung des Heizspiegels wird von den örtlichen Medien begleitet. Es ist vorgesehen, im Internet auf einer gemeinsamen Homepage aller beteiligten Mietervereine bzw. Kommunen über die einzelnen Heizspiegel zu berichten.
Bewohner und Eigentümer, die durch den Heizspiegel auf hohe Verbräuche und Kosten aufmerksam geworden sind, erhalten weiterführende Beratung in Form von HeizEnergieDiagnosen. Diese Kurzgutachten bewerten den Heizenergieverbrauch und die Heizkosten eines Gebäudes (Energiekennzahl) bzw. einer Wohnung und geben zuverlässig Auskunft über die technischen und wirtschaftlichen Sanierungspotentiale in Wärmeschutz und Wärmeerzeugung sowie darüber, ob im Einzelfall eine Sanierung möglich ist, die gleichermaßen für Bewohner und Eigentümer von Vorteil ist.
Zum Abschluß des Projektes wird ein zweites Fachgespräch der teilnehmenden Mietervereine und Kommunen stattfinden. Dieses Gespräch dient dem Erfahrungsaustausch und der Erfahrungssicherung. Ziel ist es auch, den zuständigen Stellen der Bundesregierung substantiierte Empfehlungen zum Einsatz eines Systems kommunaler Heizspiegel zu geben.
Die Ergebnisse des Projektes werden in Form eines Abschlußberichts dargestellt, der künftig interessierten Kommunen Anregungen zu Maßnahmen zur CO2-Emissionsminderung im Gebäudebestand liefern soll.
Durch Veröffentlichungen in einschlägigen Fachzeitschriften soll die Akzeptanz auf Seiten weiterer Kommunen und Mietervereine für die Übernahme dieses Beratungsinstruments verstärkt werden.
Methodisches
Heizspiegel bauen auf Daten zentralbeheizter Mehrfamiliengebäude auf, die von Heizkosten-Verteilerfirmen zur Verfügung gestellt werden. Diese Daten können im Lauf der Zeit mit Gebäudedaten aus dem Personenkreis der Nutzer von Heizspiegeln angereichert werden. Im Mittelpunkt steht dabei stets die Frage nach den notwendigen Differenzierungen bei der Bewertung von Wärmeschutz und Wärmeerzeugung (Typologien). Heizspiegel sollten nicht mit fachlichen Details überfrachtet werden, vielmehr kommt es stets auf eine sinnvolle Abwägung von Handlungsrelevanz auf der einen Seite und ingeniaurtechnischer Präzision auf der anderen an. Das vorgeschlagene Projekt sollte helfen, hier einen vernünftigen Mittelweg zu finden. Aus diesem Grund werden folgende Differenzierungen vorgenommen:
nach den Energieträgern Heizöl, Erdgas und Fernwärme,
nach der Art der Warmwasserbereitung (zentral über die Heizanlage oder dezentral über Durchlauferhitzer bzw. Warmwasserboiler) und
nach der Gebäudegröße: Da große Gebäude in der Regel weniger Energie verbrauchen als kleinere Gebäude, werden die spezifischen Kosten und Verbräuche auf die beheizte Nutzfläche bezogen.
Die Heizspiegel beziehen sich auf das Jahr 1997 und auf das Versorgungsgebiet der jeweiligen Kommune.
Ziele des Projektes
In den teilnehmenden Kommunen sollen Sanierungspotentiale im Altbaubestand identifiziert und mobilisiert und die Öffentlichkeit für das Thema CO2-Emssionsminderung durch Einsparung von Heizenergie sensibilisiert werden.
Anhand der modellhaften Erstellung von Heizspiegel in den unterschiedlichen Kommunen soll die Wirksamkeit von Heizspiegeln für die Mobilisierung von Sanierungspotentialen im Gebäudebestand erprobt werden.
Gleichzeitig sollen durch die Veröffentlichung der Ergebnisse des Heizspiegels weitere Kommunen für einen Heizspiegel gewonnen werden, mit dem Ziel einer bundesweiten Einführung des Instruments "Kommunaler Heizspiegel".
Allgemein soll das Projekt bundesweit nachhaltig auf CO2-Emissions-Minderungspotentiale im Altbaubestand hinweisen, um eine notwendige Umsetzung in der Bundespolitik (Novellieren der Wärmeschutzverordnung) herbeizuführen. Die Ergebnisse des Projektes sollen den im Fachbeirat vertretenen Ministerien zur Verfügung gestellt werden, damit Schlußfolgerungen für die Politik möglich sind und auf empirisch gesichertem Grund aufbauen können. Zu diesem Zweck wird nach Abschluß des Projektes zu einem weiteren Fachgespräch der Beteiligten eingeladen.
Zeitrahmen
Das Projekt beginnt mit dem 01 .01. 1997. Die Vorbereitungsphase ist mit dem Jahresende 1997 abgeschlossen. Das Projekt endet insgesamt mit dem Jahresende 1 998.
29. Januar 1998