Deutscher Mieterbund
Kieler Mieterverein e.V.

Kiel, den 03.03.2014

Schlechte Nachrichten für Kiels Mieter:
Kieler Wohnungsbaugesellschaft schon wieder verkauft!
Noch schlechter: Deutsche Annington ist neuer Eigentümer!

Es wurde schon seit längerem gemunkelt, am Freitag wurde es Gewissheit: Die Deutsche Annington – Deutschlands größter Vermieter – hat das Unternehmen Vitus geschluckt und damit rund 9.000 Wohnungen der Kieler Wohnungsbaugesellschaft in der Landeshauptstadt. Der Kieler Mieterverein rechnet damit, dass der Niedergang des KWG-Wohnungsbestandes sich damit beschleunigen wird. Die Erfahrungen des Kieler Mietervereins und anderer Mietervereine mit Annington-Wohnungsbestand sind annähernd gleich:

  • Es gibt vielfältige Auseinandersetzungen um vernachlässigte Bausubstanz. Notwendige Reparaturen sind häufig nur mit viel Druck durchzusetzen – wenn überhaupt.
  • Ungezählt sind die Fälle, in denen um Betriebskosten gestritten wird. Das Unternehmen sträubt sich, umfassenden Einblick in die Vertragsunterlagen mit Dienstleistungsunternehmen zu gewähren. Auch eine sorgfältige Überprüfung der Quadratmeterschlüssel bei der Umlage von Betriebskosten, die über größere, zusammenhängende Wohnungsbestände erfolgen, erweist sich als äußerst schwierig.
  • Und auch in Sachen Mieterhöhung ist die Deutsche Annington nicht zimperlich. Eine ganze Serie von Mieterhöhungsprozessen um einen Annington-Wohnungsbestand in Laboe ist vor Gericht anhängig. Eines der Verfahren ist vor dem Landgericht Kiel zunächst mit einem Vergleich unter Widerrufsvorbehalt beendet worden. Damit hätte es gut sein können. Die Deutsche Annington hat jedoch diesen Vergleich widerrufen und eine gerichtliche Entscheidung erzwungen, um zu einem besseren Ergebnis zu kommen. Diese Rechnung ist zwar nicht aufgegangen, weil das Landgericht die Klage abgewiesen hat, der Vorgang zeigt aber, wie konsequent das Unternehmen sein Interesse an Gewinnmaximierung verfolgt.
  • Auch die inhaltliche Auseinandersetzung über mietrechtliche Meinungsverschiedenheiten zwischen Mietern und der Deutschen Annington sind überaus schwierig. Ansprechpartner vor Ort sind in der Regel nicht verfügbar. So wurde vor einigen Jahren der Kieler Firmensitz der ehemaligen BIG Heimbau AG – ebenfalls ein schleswig-holsteinisches Unternehmen, welches von der Deutschen Annington eingesackt wurde – quasi über Nacht dichtgemacht. Die Korrespondenz muss seitdem über den Unternehmenssitz der Deutschen Annington in Bochum erfolgen. Zwar beeilt sich das Unternehmen in der Regel, auf eine Eingabe unmittelbar zu antworten – diese lautet aber fast immer, dass das Unternehmen noch Zeit benötige, die Sache zu bearbeiten. Danach gehen vielfach Monate ins Land, bevor halbherzige Antworten kommen.
  • Der Kieler Mieterverein rechnet deshalb damit, dass das gleiche Schicksal auch den Kieler Wohnungsbestand ereilen wird.

Dieser neuerliche Tiefschlag für den Kieler Wohnungsmarkt ist nach Meinung des Kieler Mietervereins deswegen so bedrohlich, weil praktisch alle größeren Wohnungsbestände der Landeshauptstadt in der Hand von Finanzinvestoren sind.

  • Kieler Werks-Wohnungen GmbH mit rund 10.000 Wohnungen: Verkauft und zerschlagen!
  • Kieler Wohnungsbaugesellschaft mit fast 11.000 Wohnungen: Erst an WCM, dann an Blackstone, dann an Vitus und jetzt an Deutsche Annington verscheuert.
  • LEG-Schleswig-Holstein mit fast 22.000 Wohnungen: Erst an die HSH-Nordbank und ein Hamburger Unternehmen, dann an Pirelli, jetzt Prelios verkauft. Dem Vernehmen nach ist das Unternehmen vor wenigen Tagen an einen österreichischen Konzern weiterverkauft worden.
  • BIG Heimbau AG mit ca. 10.000 Wohnungen: Bei Nacht  und Nebel von der Deutschen Annington übernommen.

Alle Finanzinvestoren eint das Ziel, eine möglichst hohe Rendite zu erzielen. Dieses Ziel wird am leichtesten erreicht wenn es gelingt, eine Vollvermietung sicherzustellen, um möglichst hohe Einnahmen zu erzielen. Dann braucht es auf der Gegenseite nur noch zu gelingen, die Ausgaben für Instandhaltung und ordnungsgemäße Verwaltung so niedrig wie möglich zu halten. Wozu dieses Geschäftsmodell am Ende führt lässt sich dramatisch an dem Wohnungsbestand des inzwischen insolventen Investors Avege zeigen: 600 Wohnungen in Gaarden – ehemals der Kieler Wohnungsbaugesellschaft gehörig – sind systematisch heruntergewirtschaftet worden. Wie es mit dem Bestand weitergeht ist völlig offen. Nach Auffassung des Kieler Mietervereins ist es am wahrscheinlichsten, dass ein neuer Finanzinvestor den Wohnungsbestand erwerben und das Geschäftsmodell fortsetzen wird.

Und noch eines eint Finanzinvestoren: Sie verstehen sich nicht als Vermieter an einem lokalen Wohnungsmarkt, sondern als Händler von Wohnungsunternehmen und Wohnungsbeständen. Und damit ist zugleich klar, weswegen Instandsetzung für Finanzinvestoren kein Thema ist. Wer steckt schon gerne Geld in eine Sache, die er demnächst weiterverkaufen will.

Die Konzentration von Mietwohnungen in der Hand von Finanzinvestoren ist sowohl für die Mieter, wie auch für die Landeshauptstadt bedrohlich, weil zugleich auch der Bestand an öffentlich geförderten Wohnungen dramatisch abschmilzt. Von ehemals über 15.000 Sozialwohnungen gibt es in der Landeshauptstadt nur noch die Hälfte. Einen weiteren Einbruch wird es am 30.06.2014 geben. Das preiswerte Marktsegment wird sich nach Meinung des Mietervereins am Ende auf Schrottimmobilien beschränken.

"Wir verkaufen nur an einen seriösen Investor". So tönte der damalige Oberbürgermeister Norbert Gansel, als unter seiner Federführung – allen Warnungen des Kieler Mietervereins zum Trotz – die Kieler Wohnungsbaugesellschaft verkauft wurde. Das Ergebnis liegt auf dem Tisch.

Nähere Auskünfte zu allen hiermit zusammenhängenden Fragen erteilt der Kieler Mieterverein für seine Mitglieder. Dessen Geschäftsstelle befindet sich in der Eggerstedtstraße 1, 24103 Kiel. Der Verein ist unter der Rufnummer 0431/97919-0 oder per eMail Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! zu erreichen.

Verantwortlich: Jochen Kiersch, Kiel